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Fkadu Haile vs André Kraus

André Eichholzcup
Fkadu der Sieger
Fkadu und Michael
 
  • Fkadu Haile vs. André Kraus

Das spannende Duell um den Volksbank Sauerland Lauf Cup 2017. 

André Kraus aus Athletensicht: 

Beim Caller Volkswaldlauf am kommenden Wochenende, geht nach einer kleinen „Sommerpause“ die Laufserie um den Volksbank Sauerland Lauf Cup weiter. Sowohl in der Männer- als auch in der Frauenwertung werden spannende Duelle erwartet in den Folgewochen, denn Calle bildet lediglich den Auftakt zu 3 aufeinanderfolgenden Wertungsläufen (Calle, Fleckenberg, Föckinghausen), ehe in Oeventrop am 29.10. das Finale ausgetragen wird. 

Bei den Männern ist es 2017 ein echtes Kopf an Kopf Duell um den Gesamtsieg. Zwei Starter des LAC Veltins Hochsauerland liefern sich ein heißes Gefecht mit offenem Ausgang: Vorjahressieger André Kraus vom TuS Oeventrop, berichtet aus seiner Sicht zum Laufduell mit dem derzeit Führenden der Wertung, Fkadu Haile vom VFL Fleckenberg. 

  • „Als ich Fkadu das erste Mal in einem Zeitungsartikel vom Crosslauf in Sythen sah, wusste ich gleich was auf mich zukommt in diesem Jahr! Nachdem ich 2016 gewinnen konnte und jetzt die Titelverteidigung anstrebte, tauchte dann förmlich aus dem Nichts Fkadu auf. Fkadu Haile ist ein Flüchtling aus Eritrea, der in Fleckenberg ein neues Zuhause gefunden hat und dort jetzt von Martin Stöwer trainiert wird – ein vorbildliches Beispiel wie Integration durch Sport gelingen kann! Sein erster Laufwettkampf in Sythen ließ mich aufhorchen, denn das Ergebnis war beeindruckend, keine Frage. Auf dem Bild in der Zeitung trug er ein viel zu großes Lauftrikot, was mich direkt nachdenken ließ und dazu veranlasste meinen Kleiderschrank zu durchforsten, denn ich war gesegnet mit LAC Lauftrikots, die ich selbst gar nicht alle auftragen konnte. So sortierte ich reichlich aus um sie den „Neuen“ aus Fleckenberg zu schenken. Ich war gespannt auf das was er zu leisten imstande war. Ich selbst fühlte mich gut vorbereitet und freute mich dass es endlich wieder losging mit der Laufserie, hatte aber auch Zweifel ob ich dem neuen Mann gewachsen sein würde. 

  • So stand ich schließlich am Start und hatte Fkadu plötzlich direkt neben mir stehen – da war er nun, dieser dunkelhäutige Läufer in seinem immer noch zu großem Trikot in den Blau-Weißen Farben – so dünn wie ein Hering, aber auf Anhieb sympathisch mit seinem strahlenden und unbekümmerten Lächeln. Nach dem Startschuss in Arnsberg beim Eicholzcup lag ich direkt in Führung, doch nur wenig später geht das Duell in seine erste Runde: Fkadu hat aufgeschlossen zu mir, ohne das ich das Tempo auch nur im Geringsten gedrosselt hätte. Von diesem Zeitpunkt an im Rennen war ich davon überzeugt, dass er lediglich mit mir spielt und jederzeit forcieren und mich stehen lassen könnte. In verschiedenen Streckenpassagen in den nächsten 2 Runden bestätigte sich mein Denken, indem er scheinbar völlig mühelos anzog und sich absetzte, nur um sich danach direkt wieder von mir einholen zu lassen. Was er damit bezweckte, ob er mir seine Stärke demonstrieren wollte oder ob er daraus gerade einen Intervall-Trainingslauf machte, ich wusste es nicht. In der 3. Runde von den 5 zu laufenden, zog er erneut an einer leichten Steigung an und setzte sich ab – genau wie zuvor. Dann nahm er wieder Tempo raus, ich lief auf zu ihm und ging vorbei. Eigentlich lief ich die gesamte Zeit ein konstantes Tempo, nichts taktisches, lediglich immer mein Tempo von dem ich wusste dass ich es konstant durchlaufen konnte. Als ich an ihm vorbei war, ließ er sich zurückfallen, deutlicher als ich es für schlau gehalten hätte aus seiner Sicht. Ich hatte keinen blassen Schimmer ob das Absicht war oder nicht, sah nur dass mein Vorsprung immer größer wurde auf dieser Runde. Und dann war er plötzlich da, mitten in meinem Kopf, der Glauben an die eigene Stärke! Jetzt oder nie – bis eben hielt ich mich für hoffnungslos unterlegen – aber jetzt war ich wieder obenauf. Wenn er meinen sollte dass er spielend dieses Loch wieder zulaufen könnte, so musste er mir das erst mal beweisen, denn jetzt würde ich alles daransetzen es so lange wie möglich zu halten. In der letzten Runde musste ich an meine letzten Reserven ran, aber es reichte, ich siegte bei der Auftaktveranstaltung. Etwa 10 Sekunden nach mir kam dann Fkadu ins Ziel – 1:0 für mich. Dass er anschließend wie ein Maikäfer pumpend auf dem Boden verweilte, zeigte mir, dass er nicht gespielt, sondern selbst alles gegeben hatte. Das gab mir das Bewusstsein, dass ich in diesem Jahr keinesfalls chancenlos sein dürfte, auch wenn mir sein Trainer im Anschluss erklärte, dass er seinen Trainingsplan missverstanden hätte und am Vortag noch einen harten Tempolauf absolviert hatte…

  • Bereits in der Folgewoche stand der Crosslauf in Freienohl auf dem Programm – seine Chance zur Revanche… Aber genau das war mein Terrain – Crosslauf! Ich war der festen Überzeugung nach dem Sieg in der Vorwoche, dass seine Chancen mich hier zu besiegen deutlich kleiner waren als noch in Arnsberg. Cross über Wiese, Matsch und ein paar Heuballen, genau das liegt mir. Und mit diesem Bewusstsein startete ich dann auch. Direkt wurde es wieder zu einem Zweikampf, Fkadu gegen mich. Allerdings merkte ich bereits nach der ersten Runde, dass meine Beine heute nicht die besten waren, denn das alles lief nicht rund, ich musste mich von Beginn an quälen. Als Fkadu eine Attacke setzte, probierte ich alles erdenklich mögliche um ihm zu folgen, lief auch noch mal auf zu ihm, aber in den letzten beiden Runden summierten sich die Meter zwischen uns und er überquerte das Ziel als Sieger – 1:1! Damit hatte ich das grüne „Leadertrikot“ erstmals nach 9 Monaten wieder abgeben müssen – an einen Besseren! 

  • Im April folgte dann das nächste Aufeinandertreffen beim Panoramalauf am Hennesee. Bereits vor dem Start wusste ich dass ich null Chance haben würde, denn ich war umgeknickt beim Training und hatte mir eine Bänderdehnung im Knöchel zugezogen. Mein Start hier war lediglich als „Schadensbegrenzung“ ausgelegt. Umso erstaunlicher war es dann für mich, was ich trotz schmerzenden Fußes auf den Uferweg am Hennesee brachte. Lange konnte ich Fkadu Paroli bieten, ehe er sich bei Kilometer 6 doch absetzte und den Vorsprung sicher ins Ziel lief – 2:1 für Fkadu!

  • Neheimer Citylauf, das nächste Aufeinandertreffen mit Fkadu. Flacher Stadtrundkurs über Asphalt und Kopfsteinpflaster – eigentlich so gar überhaupt nicht meins… aber kampflos würde ich mich nicht geschlagen geben. Fkadu hatte am Vortag bei NRW Meisterschaften einen 10000m Lauf im Stadion gelaufen, war also definitiv nicht frisch in den Beinen, so dass ich mich nicht chancenlos sah. Fkadu bestimmte das Rennen komplett von der Spitze weg, forcierte es nach Belieben mit Tempoverschärfungen, während ich lediglich, ähnlich wie im Eichholz, mein konstantes Tempo am Anschlag durchlief. So schloss ich immer wieder zu ihm auf ohne dass ihm der entscheidende Schlag gelang. In der letzten Runde signalisierte ihm sein Trainer dann Gas zu geben, denn er merkte dass er mich nicht los wurde. Fkadu tat genau das was ihm gesagt wurde, aber ich hielt mit allem was ich zur Verfügung hatte dagegen und konterte seine Attacke auf den letzten 600 Metern und konnte den Sieg erringen – 2:2! An diesem Tag eroberte ich das Führungstrikot zurück, aber lediglich um es in der Folgewoche in Herdringen kampflos zurückgeben zu müssen, denn hier konnte ich nicht antreten weil ich parallel beim Marathon auf Helgoland weilte.

  • So folgte Duell Nr. 5 erst im Juni beim Westernlauf in Fort Fun. Fkadu war in Form, und mir war seit unserem ersten Aufeinandertreffen bewusst, dass er immer besser werden würde. Er lernte mit jedem Wettkampf dazu und wurde durch das gezielte Training mit der Zeit stärker und stärker. Zudem hatte er das „Alter“ auf seiner Seite. Ich mit meinen 42 Jahren gehörte inzwischen schon fast zum alten Eisen, während er dagegen ein Jungspund war. Aber: Mein Vorteil, und das redete ich mir solange ein bis ich es verinnerlicht und geglaubt hatte, war der, dass ich immer noch die Erfahrung, sowohl die Streckenerfahrung, als auch die Erfahrung in Wettkampfsituationen auf meiner Seite hatte. Und, ein noch viel wichtigerer Punkt, ich hatte den Ehrgeiz und den Willen ihn zu besiegen. Kampfgeist, auch in scheinbar hoffnungslosen Situationen immer noch alles zu geben um zu gewinnen – und wenn wir ehrlich sind, war ich ihm rein läuferisch bereits jetzt schon lang nicht mehr gewachsen. Trotzdem war es mir gelungen ihn zu schlagen… das kam nicht von ungefähr und sollte auch hier der Fall sein. Beim Westernlauf setzte ich auf meinen Vorteil der Streckenkenntnis. Ich wusste um die Trailpassagen bergab, die mir liegen sollten und ich wusste um den langen Weg bergauf zurück. Ob Fkadu das wusste? Ich hatte einen Plan und den setzte ich um: Forcieren in den Trailpassagen des Kurses. Wurzeln und Steinbrocken fliegen unter meinen Schuhen durch, ich drücke aufs Tempo und meine Taktik geht auf – die Schritte hinter mir werden leiser, es gelingt mir mich abzusetzen. In diesem Terrain habe ich Vorteile, wie gehofft, und die nutze ich voll aus. Bis zum Ziel hin gelingt es Fkadu nicht mehr die entstandene Lücke zu schließen, so dass ich erneut gewinne – 3:2 für mich! Führungstrikot zurück erobert.

  • Schon eine Woche später folgt Duell Nr. 6 beim Trailrun in Hagen. Trailrun – wie war das noch gleich in der letzten Woche? Richtig, ich hatte Vorteile auf den Trails ihm gegenüber! Also sollte mir auch diese Strecke wieder sehr entgegenkommen. Doch bei einem Duell wie diesem, geführt auf Augenhöhe, genügt manchmal ein einziger schwacher Moment um über Sieg und Niederlage zu entscheiden. Diesen schwachen Moment, in diesem Fall in den Beinen, hatte ich zwischen Kilometer 5 und 7, als sie mir schwer wie Blei vorkamen und ich mich so quälen musste um an Fkadus Fersen zu bleiben. Ich ließ nichts unversucht, hoffte auf meine Vorteile auf dem vorletzten Kilometer, auf den Pfad durch den Wald, aber er zeigte sich taktisch gereift, ließ mich nicht überholen und entschied das Aufeinandertreffen mit einem Vorsprung von 2 Sekunden für sich – 3:3! Führungstrikot wieder gewechselt.

  • Jetzt steht das letzte Drittel der diesjährigen Laufserie vor der Tür und es sollte erneut spannend werden. Ich hatte sie, die Form meines Lebens, die mir u.a. zu diesen drei Siegen über Fkadu verholfen hat. Ich hoffe ich kann all das noch einmal abrufen, wenn es in die nächsten Runden geht in diesem Duell mit dem so sympathischen Gegner, mit dem mich bereits nach wenigen Duellen eine Lauffreundschaft verbindet. Es heißt: Konkurrenz belebt das Geschäft, und ein bisschen Rivalität sei gesund – beides stimmt! Und am Ende profitieren schließlich alle von diesem intensiven Duell mit wechselndem Ausgang. Fkadu wird gefordert, entwickelt sich dadurch weiter, lernt dazu. Ich selbst muss all mein taktisches Wissen und meinen Erfahrungsvorsprung in die Waagschale werfen, werde an meine Grenzen getrieben und verschiebe sie dadurch ein Stückchen weiter. Und für alle neutralen Laufinteressierten bleibt es einfach ein spannendes Duell mit offenem Ausgang – und solange ich die Möglichkeiten besitze, werde ich sie einsetzen um den Ausgang auch weiterhin so lange es geht offen zu halten, das kann ich versprechen!“

Pressesprecher M.Küsgen: Wer André und seine Bücher kennt, der findet wieder hier den symphatischen, ehrlichen, klaren Schreibstil wieder, um den wir ihn beneiden können. Keine Prosa, keine Situationskomik oder Bla-Bla-Stil. Rund und fesselnd geschrieben. Kann einen schon süchtig machen, oder?

 

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